Verona – Nicht nur für Opernfans

Freitag

Als Opernfan war es für mich nur eine Frage der Zeit, wann Verona bei mir auf dem Reiseplan steht. Im Juli 2000 war es dann soweit. An einem Freitag Abend ging es aus dem Büro direkt zum Flughafen und mit dem letzten Flieger von München nach Verona. An dem Abend sehe ich von Verona aber nichts mehr. Erst nach 23 Uhr sind wir im Hotel und fallen auch gleich müde ins Bett.

Samstag

Frisch gestärkt machen wir uns am nächsten Morgen gleich nach dem Frühstück auf den Weg zur Piazza Bra. Nicht unbedingt der schönste Platz der Stadt, aber hier steht das wohl berühmteste Bauwerk Veronas – die Arena. Vor 2000 Jahren wurde sie erbaut und diente damals wie heute zur Unterhaltung des Volkes. Glücklicherweise hat sich der Geschmack diesbezüglich inzwischen grundlegend geändert. Statt Gladiatorengemetzel findet hier seit 1913 das berühmte Opernfestival statt. Für heute Abend haben wir Tickets, es wird „Nabucco“ gespielt.

Verona - vor der Arena

Verona – vor der Arena

Aber zuerst wird die Stadt erkundet. Durch die engen Gassen machen wir uns von der Arena auf zur Piazza delle Erbe. Schon zu römischer Zeit war hier der Marktplatz und auch heute ist hier alles voller Stände. Allerdings habe ich kaum einen Blick für die angebotenen Waren, denn meine Aufmerksamkeit wird ganz von den wunderschönen Renaissance-Gebäuden in Anspruch genommen. Ich bin das erste Mal in Norditalien und kannte diese Architektur bisher nur von Fotos oder als Filmkulisse. Jetzt stehe ich mittendrin umgeben vom wuseligen Treiben des Marktes und weiß gar nicht, wo ich zuerst hingucken soll. Sicher, an einigen Gebäuden bröselt schon der Putz, aber ich finde das trägt nur zu ihrem Charme bei. Man sieht ihnen ihr Alter an, die vergangenen Jahrhunderte, auf die sie hinabblicken. Es ist lebendige Geschichte.

Wir schieben uns durch das Gedränge weiter zur Piazza dei Signori und auch hier ein Gebäude beeindruckender als das andere. Da hilft nur eins – erst mal ins Café setzen und bei einem Cappucino die Atmosphäre und die Aussicht genießen. Es ist nicht nur die Architektur der Häuser, es sind vor allen die Farben. Die Fassaden sind in warmen Rot-, Rosa- und Gelbtönen verputzt, dazu der strahlend blaue Himmel, das ist einfach nur malerisch schön. Ganz besonders schön ist hier der Palazzo del Commune, der Sitz des ehemaligen Stadtrepublik. Der hell- und dunkelrosa gestreifte Palast mit seiner Freitreppe aus rosa Marmor und dem Torre Lamberti ist ein echter Hingucker. Natürlich muss ich als nächstes rauf auf dem Turm. Trotz einiger Wolken ist die Aussicht von dort oben ist absolut atemberaubend.

Wir machen noch einen kurzen Abstecher an den beeindruckenden Grabmälern des Arche Scaligere vorbei, bevor wir uns auf dem Rückweg zum Hotel machen. Denn es ist schon recht spät und wir wollen vor der Opernaufführung noch schnell Abendessen und uns umziehen.

18.000 Zuschauer passen in die Arena di Verona und es ist heute Abend, einem Samstag, gut gebucht. Trotz der Menschenmassen, die zusammen mit uns in die Arena strömen, gibt es wenig Geschubse oder Gedrängel. Wir haben unsere Plätze in der Poltrone, Reihe 52, und gucken von links oben auf die Bühne. Auch ohne Opernglas können wir von hier aus alles sehr gut erkennen. Die Atmosphäre hier ist unglaublich. Während auf den teuersten Plätzen unten im Parkett, die Zuschauer in eleganter Abendgarderobe erscheinen, macht man es sich auf den „billigen“ Plätzen gemütlich: bequeme sommerliche Kleidung und Sitzkissen. Bei einigen sieht es aus als wären sie zum Picknick hier. Um 21:15 beginnt die Vorstellung unter sternenklarem Himmel. „Nabucco“ ist, wie ich finde, eine ohnehin schon sehr bewegende Oper. Als aber der Gefangenenchor zu singen beginnt und genau in dem Moment direkt dahinter der Vollmond aufgeht, wird die Stimmung einfach unbeschreiblich schaurig schön. Es ist unmöglich das in Worte zu fassen.

Sonntag

Unser Rückflug geht erst am späten Nachmittag, also ist noch genügend Zeit, um weiter die Stadt zu erkunden. Über die Ponte Pietro geht es auf die linke Etsch-Seite zum römischen Theater aus dem 1.Jh. , das malerisch am Hang direkt über dem Ufer erbaut wurde. Dass der Komplex heute noch oder besser wieder so schön erhalten ist, verdanken wir dem Veroneser Kaufmann Andrea Monga (1794-1861), der dieses Areal aufkaufte und beim Abriss der darüber erbauten mittelalterlichen Häuser das Theater wieder entdeckte und renovieren ließ.

Verona - Blick auf das Kastell San Pietro

Verona – Blick auf das Kastell San Pietro

Ein paar Straßen weiter verbirgt sich ein echtes Highlight, der Giardino Giusti, ein Renaissancegarten aus dem späten 15. Jh. Nicht nur ausgesprochene Gartenliebhaber kommen hier auf ihre Kosten. Über eine Zypressenallee spaziert man durch den terrassenartig angelegten Garten und entdeckt dabei immer wieder neue Schönheiten: Statuen, Fontänen, Buchsbaum-Arrangements, Grotten, Lauben sowie Europas ältesten Irrgarten. Außerdem hat man von hier aus einen der schönsten Ausblicke über Verona.

Verona - Giardino Giusti

Verona – Giardino Giusti

Ich hatte bisher immer nur in Verbindung mit dem Opernfestival an Verona gedacht. Aber diese lebendige Stadt hat so viel zu bieten, dass auch ohne Opernaufführung ein Besuch mehr als lohnenswert ist.

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