Sülfmeistertage in Lüneburg

Seit 2003 finden alljährlich Anfang Oktober die Sülfmeistertage in Lüneburg statt. Dieses Wochenende war es mal wieder soweit und das bei sommerlichen Temperaturen und strahlend blauem Himmel. Es versprach ein tolles Wochenende zu werden.

Doch was sind eigentlich Sülfmeister und wieso feiern wir sie? Lüneburg ist im Mittelalter durch das Salz unter unserer Stadt reich geworden. Es war damals unser Hauptexportartikel. Die Sülfmeister besaßen die Rechte an den Siedepfannen, in denen die Sole gesiedet wurde, und sie wurden jedes Jahr neu ernannt. Diese Sülfmeisterernennung ist unter dem Namen Kopefest bekannt und wurde im Jahre 1472 das erste Mal urkundlich erwähnt. Die neu ernannten Sülfmeister mussten dabei ein mit Steinen gefülltes Fass (Kope ist ein altes Wort für Holzfass) durch die Stadt ziehen. Auf diese alte Tradition gründen sich die Sülfmeistertage.

Im Mittelalter ging es um die Besetzung eines der wichtigsten Ämter der Stadt, heute darf sich jeder mit einem Team bewerben, der Spaß an witzigen Wettkämpfen hat. Acht Teams treten gegeneinander an und messen sich in Disziplinen wie Fassrollen, Sülfmeister-Puzzle, Giebel-Memory, die Solebeförderung und viele mehr.

Ich bin Samstagvormittag rechtzeitig Am Sande und habe Glück, ich ergattere einen Platz auf den Strohballen, die das Wettkampfareal abgrenzen, direkt an der Ziellinie vor der Bühne. Besser und bequemer geht es gar nicht. Die Spiele mögen sich leicht anhören, sind aber gar nicht so einfach; vor allem nicht, wenn einem dabei Zehntausende auf die Finger schauen und anfeuern. Mein absoluter Favorit bei den Wettkämpfen ist die Solebeförderung. Dabei steht das gesamte Team auf zwei Skiern und muss versuchen, Eimer voll Sole ins Ziel zu bringen ohne etwas dabei zu verpladdern. Es bleibt spannend bis zum Schluss, denn manchmal kommen die schnellsten ohne Sole im Ziel an und ein langsameres Team macht am Ende mit fast vollen Eimern das Rennen.

Solebeförderung

Solebeförderung

Um 18:00 nach dem Fassrollen steht dann endlich das Siegerteam fest, das den neuen Sülfmeister stellen wird. Es sind die Wochenmarktbeschicker und die ernennen eine Sülfmeisterin. Wer hätte das im Mittelalter für möglich erhalten?

 

Auch in den Wettkampfpausen ist für Unterhaltung und Spaß gesorgt. Am unteren Ende des Sande rund um die Johanniskirche ist ein Mittelaltermarkt aufgebaut, der zum Bummeln einlädt.

Mittelaltermarkt vor der St. Johanniskirche

Mittelaltermarkt vor der St. Johanniskirche

Aber nicht nur Marktstände und Kunsthandwerk findet man hier. Es ist auch für Speis und Trank gesorgt, Honigmet und leckere Fladen, und vor der Kirche ist eine Bühne aufgebaut. Der Gaukler ist richtig klasse und die mittelalterliche Band sorgt für die passende Stimmung.

 

Am Sonntag Nachmittag geht es für die neue Sülfmeisterin auf Kopefahrt. Sie zieht dabei hoch zu Ross das mit Steinen gefüllte Kopefass durch die Innenstadt gefolgt von einer Parade bestehend aus den Teilnehmerteams, Sponsoren des Events, historischen Vereinen, Heide- und anderen Königinnen sowie zahlreichen Spielmannszügen. Hinter mir steht ein älteres Ehepaar, dass alle Spielmannszüge schon von weitem an den Uniformen erkennt. Ob meine Eltern das auch können? Das muss ich bei Gelegenheit mal fragen.


Über anderthalb Stunden dauert die Parade. Danach mach ich mich wieder zur Bühne vor der Kirche auf, denn schließlich geht es erst um 18:00 mit der Fassverbrennung weiter. Der Gaukler von Samstag ist wieder da, aber egal. Die Show war gut, die kann man sich ruhig zweimal ansehen. Anschließend sorgt eine Dudelsack Band in neckischen Lederröckchen für richtig gute Stimmung.

Früher wurde das Fass, das nach der Kopefahrt ziemlich mitgenommen war, komplett verbrannt. Heute wird das Feuer in einer Schale auf dem Fass entzündet, dessen Hitze bald mit lautem Knallen ein Konfettifeuerwerk über den Zuschauern entfacht. Und wieder habe ich Glück mit dem Platz, ich stehe direkt vorm Fass und kann alles aus nächster Nähe miterleben. Es ist der absolute Höhepunkt des Wochenendes, die Stimmung hier ist unglaublich, besonders als Zehntausende Besucher das Lied „Ich bin ein Lüneburger“ anstimmen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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