Sprachurlaub in Frankreich

Sprachurlaub wird bei uns im Reisebüro oft nachgefragt und nachdem ich zahlreichen Kunden auf diese Weise zu ihrer Weiterbildung verholfen hatte, war es an der Zeit es mal selber auszuprobieren. Da ich schon lange vorhatte, mein Schulfranzösisch wieder auf Vordermann zu bringen, stand das Reiseziel schnell fest. Es soll für eine Woche nach Frankreich gehen.

Aber wohin in Frankreich? Paris bietet ein gutes Angebot an Sprachkursen, aber Paris kenne ich schon von mehreren Städtereisen und ich würde gern etwas Neues kennen lernen. Also schnappe ich mir sämtliche Kataloge unserer Sprachreise-Anbieter und verbringe das Wochenende damit, sie gründlich zu studieren. Die Entscheidung fällt gar nicht so leicht. Da tauchen viele Fragen auf, z.B. welche Unterrichtsform wähle ich? Gruppe, Kleingruppe, Intensivkurs, Einzelunterricht? Und welche Unterkunft? Gastfamilie? Ich hatte nur ein Jahr Französisch in der Schule und diese Kenntnisse sind sehr eingerostet. Spricht man in Südfrankeich Dialekt? Wer weiß, ob ich da was verstehe?Ich sehe mich schon dümmlich lächelnd bei den Leuten am Frühstückstisch sitzen. Also doch lieber ins Hotel. Aber jeden Tag essen gehen, vielleicht auch noch allein? Auch nicht optimal.

Schließlich werde ich fündig. Die Schule in Montpellier bietet Unterricht in Kleingruppen kombiniert mit drei Nachmittagen Einzelunterricht an. Dazu buche ich ein kleines Appartement mit Küchenzeile, ein kleiner Tante-Emma-Laden soll gleich gegenüber sein.

Ein paar Wochen später  – Anfang Juli – ist es dann soweit, ich fliege nach Montpellier. Der Flug geht über Paris – mit Flughafenwechsel. Die erste Möglichkeit meine Französischkenntnisse auf die Probe zu stellen. Ich finde mich aber gut zurecht und der Transfer klappt wie am Schnürchen. Auch der Taxifahrer, der mich nach Ankunft vom Flughafen zum Appartement bringt, versteht mich gut, sogar beim Smalltalk kann ich einigermaßen mithalten. Das fängt ja schon mal vielversprechend an. Es ist jetzt schon spät am Nachmittag. Also kaufe ich noch schnell was in dem kleinen Tante-Emma-Laden ein, der tatsächlich nur ein paar Schritte entfernt ist, und verbringe den Rest des Tages am Pool.

Montag, 1. Schultag

Die Schule liegt am Rande der Altstadt und ist in einem schönen alten Gebäude untergebracht.

Innenhof der Sprachschule

Innenhof der Sprachschule

Eine nette Dame an der Rezeption nimmt meine Anmeldung entgegen und drückt mir einen Stapel Informationsmaterial in die Hand, natürlich auf Französisch. Nein, Englisch spricht hier niemand, versichert sie mir. Auch nicht im Notfall. Und Deutsch schon mal gar nicht. Als nächstes schickt sie mich dann zum Einstufungstest. Ich hatte bei Buchung „Anfänger mit Grundkenntnissen“ angekreuzt, aber hier will man auf Nummer sicher gehen und die Kenntnisse selbst überprüfen. Schließlich soll ja jeder im für ihn passenden Kurs landen. Der Test ist relativ einfach und ich lande im unteren Mittelkurs. Hätte ich nicht gedacht.

Wir sind im Kurs acht Schüler aus verschiedenen Ländern: aus Spanien, der Schweiz sogar aus Japan und Australien und ich. Unsere Vorstellungsrunde ist recht unterhaltsam, einige sind schon die zweite oder dritte Woche hier. Die Unterrichtssprache ist Französisch, aber das ist nicht so schlimm wie ich erwartet hatte. Unsere Lehrerin spricht schön langsam und deutlich, verwendet einfache Wörter und kurze Sätze. Gut auf unser Niveau abgestimmt. Trotzdem raucht mir nach vier Unterrichtsstunden der Kopf und ich bin froh, dass der erste Schultag vorbei ist. Jetzt erst mal was essen und dann Montpellier erkunden.

Montpellier ist eine tolle Stadt mit einer Mischung aus Pariser Flair und Mittelmeer-Atmosphäre. Über 1200 Jahre abwechslungsreiche Geschichte gibt es hier entdecken, genau das Richtige für mich. Trotzdem ist Montpellier eine sehr lebendige Stadt. Schon im 13.Jh.  entstand hier die erste Universität. Heute gibt es drei davon und entsprechend jung ist das Durchschnittsalter der Einwohner. Sehr angenehm überrascht hat mich das postmoderne Stadtviertel Antigone, und dass obwohl ich sonst überhaupt kein Fan von moderner Architektur bin.

 

 2.-4. Schultag, jetzt mit Einzelunterricht

Der Gruppenunterricht fällt von Tag zu Tag leichter. Ich gewöhne mich schnell daran, den ganzen Tag nur Französisch zu hören. Aber jetzt kommt noch nachmittags mein gebuchter Einzelunterricht dazu. Und da werde ich voll gefordert, denn mal kurz wegdösen und hoffen, dass jemand anders dran kommt, das funktioniert hier nicht. Hier bin ich anderthalb Stunden lang der Alleinunterhalter. Es ist wirklich anstrengend, aber trotzdem toll. Denn anders als im Gruppenunterricht gibt es hier keinen festen Lehrplan, sondern es geht einzig und allein um meine Wünsche. Hier steht nicht die Grammatik im Vordergrund sondern die gesprochene Sprache. Entsprechend sieht auch der Unterricht aus. Ich soll erst mal über mich erzählen, meine Familie, was ich beruflich mache und vor allem über meine Hobbies. Daraus wird dann der Unterricht für mich ausgerichtet. Vor allem aber wird geredet. Das übt zwar unglaublich, ist mit Anfängervokabular aber gar nicht so einfach. Jedes Mal wenn ich zu lange überlege, werde ich aufgefordert: „Ne pense pas, parle“. Nicht denken, reden. In den meisten Lebenslagen ist das nicht der beste Ratschlag, aber beim Sprachenlernen hat er sich wirklich bewährt.

 

Freitag, letzter Schultag

So eine Woche geht unglaublich schnell vorbei. Für einen Sprachurlaub ist das eigentlich viel zu kurz, denn erst jetzt bin ich so richtig „drin“ (ok, vielleicht hätte ich auch nicht so viel mit der Australierin unternehmen und Englisch reden sollen…?). Eine zweite Woche wäre schön gewesen. Ich fand es aber trotzdem erstaunlich, wie viel man in einer Woche lernen kann, wenn man das Erlernte gleich anwenden kann. Ich hatte dabei auch festgestellt, dass ich noch viel mehr kann als ich angenommen hatte.

Der Unterricht endet heute um 13:00 und ich habe mir vorgenommen am Nachmittag an den Strand zu fahren. Schließlich liegt Montpellier (fast) am Mittelmeer. Mit dem Bus geht es in den 10km südlich gelegenen Bade- und Fischerort Palavas-les-Flots. Ein erholsamer Abschluss für eine schöne aber auch „arbeitsreiche“ Woche.

 

 

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