Pauschal oder individuell?

Auf dem Blog meiner Freundin Ulrike (Bambooblog) bin ich vor ein paar Tagen auf eine interessante Blogparade von strandgazette gestoßen, bei der es um die Frage „Pauschal oder individuell“ geht. Mit dieser Frage werde ich auch fast täglich bei uns im Reisebüro konfrontiert. Inzwischen kann ich wohl mit gutem Gewissen behaupten, es gibt keine allgemein gültige Antwort auf diese Frage. Die Geschmäcker wie auch die Bedürfnisse eines jeden Reisenden sind nun mal verschieden, daher spielen zahlreiche Faktoren bei der Wahl der richtigen Urlaubsform eine Rolle: Wie sehr bin ich bereit, mich um alles selbst zu kümmern? Wie groß ist mein Sicherheitsbedürfnis? Ist mein Reiseziel gut auf eigene Faust zu bereisen? Aber auch Sprachkenntnisse oder Gesundheitszustand können bei der Entscheidung eine Rolle spielen.

Als Jugendliche bin ich bis auf Klassenfahrten und einen Campingurlaub in Dänemark nie weg gewesen. Als mich dann als Studentin mit Mitte 20 die Reiselust packte, wusste ich zwar, dass ich niemals wieder Mehrbettzimmer und Gemeinschaftsduschen wollte, hatte darüber hinaus aber keinerlei Reiseerfahrung. Daher war ich äußerst dankbar für die Gruppenreisenkataloge, die mir im Reisebüro in die Hand gedrückt wurden. In der Gruppe bin ich damals (1994) dann auch gereist, erst 8 Tage nach Peking und Xian, dann eine Woche nach Sankt Petersburg zu den legendären Weißen Nächten. Mir wurde alles abgenommen von der Visabeschaffung bis zu den Ausflügen. Alles war ganz unkompliziert und ich habe auf den Reisen viel Tolles erlebt und gesehen. Ich war ja das erste Mal an diesen Orten und es mir ganz egal, ob ich auf den Touristenpfaden reiste oder abseits davon. Für mich war alles neu. Auf meiner nächsten Reise zwei Jahre später war ich dann schon etwas mutiger. Es ging für drei Wochen nach Nepal und ich habe mich tatsächlich getraut in meine Pauschalreise eine sogenannte Leerwoche einzubauen. Etwas mulmig war mir bei Abflug schon, aber ich hatte vor Ort einen tollen Reiseleiter, der mir half, meine noch nicht verplante Woche zu füllen.

Peking 1994

Peking 1994

Seit 1997 bin ich selber im Reisebüro tätig und organisiere und buche meine Reisen seitdem selber. Die meisten Urlaubsreisen in dieser Zeit gingen in die USA. Hier lässt sich vieles direkt vor Ort buchen – dachten wir und buchten bei einer unserer ersten Reisen nur den Flug, Mietwagen und die ersten zwei Hotelnächte. Den Rest wollten wir vor Ort machen, ganz spontan, je nachdem wie es uns gefällt und wo es uns hinführt. Das klang toll, aber schon während der ersten Tage wurde es so am späten Nachmittag grundsätzlich ungemütlich. Denn dann kam der Gedanke: wir müssen weiter, denn wir müssen ja noch ein Hotel suchen. Die Hotelsuche selber war auch nicht immer so toll. Oft war das erste Hotel zu teuer, das zweite zu schmuddelig und das dritte zu abgelegen. Irgendwann sind wir notgedrungen in irgendeinem Hotel geblieben, weil wir ja irgendwo schlafen mussten. Uns war ganz schnell klar, das ist nichts für uns. Nächstes Mal wird wieder vorgebucht. Ich möchte jeden Urlaubstag entspannt genießen können und mich auf ein schönes Hotel freuen, dass ich mir schon vorher ausgesucht habe.

Nachdem ich in den vergangenen 17 Jahren fast alle Reisevarianten verkauft und die meisten davon selber ausprobiert habe, habe ich meine Reiseform gefunden: ich bevorzuge die goldene Mitte. Sowohl pauschal als auch individuell haben für mich Vorzüge, die ich auf meinen Reisen nicht missen möchte. Ich möchte die Sorglosigkeit einer Pauschalreise mit vorgebuchten Flügen, Transfers und Hotels. Ich möchte dabei aber so flexibel und individuell wie möglich sein. Ich möchte in kleinen Hotels mit viel Flair wohnen, wie B&Bs oder Country Inns. In Frankreich haben wir schon in alten Mühlen übernachtet, in Japan im Ryokan; alles vorab im Reisebüro gebucht. Auch meine Reiseroute möchte ich nach meinen persönlichen Interessen und Wünschen zusammen stellen und vor Ort möchte ich dann entscheiden, was ich mir wann anschaue – je nach Lust oder Wetterlage.

Ich bin auch ein großer Fan von maßgeschneiderten Pauschalreisen. Und damit meine ich nicht nur die vorgebuchten Mietwagenrundreisen durch Nordamerika, Australien oder Südafrika. Nein, ich meine in erster Linie voll durchorganisierte Rundreisen mit Chauffeur und Reiseleiter und diese vollkommen maßgeschneidert nach den Wünschen der Reisenden. Für Alleinreisende ist das zwar nicht immer ganz erschwinglich, aber für Paare, Familien oder kleine Gruppen von Freunden ist das eine tolle Sache.

Das soll aber nicht heißen, dass ich nie wieder eine Gruppenreise machen würde. Ganz im Gegenteil. Ich bekomme gelegentlich Einladungen von Fremdenverkehrsämtern oder auch Reiseveranstaltern zu sogenannten Inforeisen. Dann bin ich auch in einer Gruppe unterwegs und habe häufig ein sehr straffes Programm. Trotzdem möchte ich diese Reisen nicht missen, denn ich habe durch sie viel gesehen, gelernt und auch tolle Leute getroffen. Einige Reiseziele wie Mallorca oder die Kanaren hätte ich privat nie gebucht, denn ich bin absolut kein Strandurlauber. Und Dänemark hätte ich nach meinem Campingurlaub in der Jugend wohl auch nie wieder betreten. Die Inforeisen haben mich aber eines Besseren belehrt und mir gezeigt, dass diese klassischen Badeziele sehr viel mehr als nur Strand zu bieten haben. So liebäugel ich gerade mit einer Mallorca-Reise, vielleicht im Frühjahr, auf jeden Fall aber vorgebucht mit individuellen Ausflügen. Vielleicht auch eine kleine Inselrundreise mit Bus und Bahn. Mal sehen…

Da ich zu den wenigen Menschen gehöre, die keinen Führerschein besitzen, kommen Mietwagenrundreisen für mich nur in Frage, wenn ich einen fahrtüchtigen Mitreisenden habe. Das schränkt mich auf individuellen Reisen natürlich etwas ein, denn nicht alle Orte sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Da ist eine Gruppenreise eine gute Alternative. Allerdings bin ich heute da etwas wählerischer als zu meiner Studentenzeit: die Gruppe sollte klein sein (max. 15 Teilnehmer) und es sollte ausreichend Freizeit für eigene Erkundungen im Programm stehen.

Wenn ich eins in den vergangenen Jahren gelernt habe, dann dass alle Urlaubsformen toll sind, egal ob pauschal oder individuell, nicht unbedingt für mich, aber für jeden anderen dem sie gefallen. Wenn ich in meinen ersten Berufsjahren etwas buchen sollte, das ich selber nie machen würde, sagte meine damalige Chefin immer: „Sie müssen ja nicht mit“. Und Recht hatte sie damit. Heute finde ich es schön, dass es so viele verschiedene Möglichkeiten gibt. Denn wie wäre es, wenn uns allen dasselbe gefallen würde? Wir würden dann alle in dieselben Orte reisen, am selben Strand liegen, dieselben Sehenswürdigkeiten besuchen und wahrscheinlich noch alle zur selben Zeit. Das möchte ich mir lieber nicht vorstellen. Nein, jeder macht schön weiterhin den Urlaub, der ihm am besten gefällt. So können wir uns auch in Zukunft von unseren schönen Reiseerfahrungen berichten und jeder ist zufrieden.

 

 

 

 

 

 

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5 Kommentare zu Pauschal oder individuell?

  1. Das ist eine tolle Antwort! Und ich gebe Dir in allen Punkten recht! LG Ulrike

  2. Max Adler sagt:

    Hi Chris,
    danke für die Teilnahme. Leider fehlt noch der Verweis zu meiner Blogparade. Vielen Dank und viele Grüße
    Max

  3. Daniel sagt:

    Hey Chris,

    auch wenn der Beitrag schon 1,5 Jahre her ist. Dein Fazit ist noch immer aktuell.

    Ich habe gerade auch Ulrike gefragt, ob eine individual geplante Pauschalreise noch individuell genug ist 😉 Ich lese ja immer häufiger von den Antipathien vieler Reisenden. Bin ebenfalls der Meinung, dass sich viele das Leben zu schwer machen. Zumal einige Programmpunkte sogar teurer werden, wenn diese „nur“ flexibel geplant werden … .

    Wichtig ist in der Tat immer: „Nie von sich auf die Allgemeinheit schließen“.

    Lieben Gruß

    Daniel

  4. Christina sagt:

    Hallo Daniel,

    ja, leider gibt es für viele immer nur ein „dafür“ oder „dagegen“. Erstaunlicherweise scheinen de meisten Gegner der Pauschalreise noch nie eine gemacht zu haben und bringen anstelle von Argumenten meist nur Vorurteile, die überhaupt nicht haltbar sind.
    Ich finde, eine Reise ist immer so gut wie das was man daraus macht. Egal ob pauschal oder individuell 🙂

    Viele Grüße aus Lüneburg
    Christina

  5. Daniel sagt:

    Hey Christina,

    sehe ich genauso! Man kann sich über alles aufregen und das den Urlaub bestimmen lassen, oder man akzeptiert einige Dinge so wie sie sind.

    Ulrike hat noch ein gutes argument gliefert. Möchte man beispielsweise China alleine bereisen, sollte man der Sprache halbwegs mächtig sein. Ist dem nicht so, hilft einem ein Reiseleiter Frust zu vermeiden.

    Ich sehe das ähnlich, warum darf man sich nicht Hilfe holen? Warum denken so viele Reisende, sie müssen das Rad neu erfinden. Nicht jeden „Fehler“ muss man ja selbst machen und erleben. Dennoch bleibt genügend Platz für die eigene Individualität.

    Lieben Grüße, noch aus Südafrika 😉

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