„Mein Abenteuer ist nicht Dein Abenteuer“

Unter diesem Titel läuft die Blogparade von Florian vom flocblog. Dabei geht es um die Frage, was ist eigentlich ein Abenteuer? Florian hat dazu vier Thesen aufgestellt, die ich hier einmal genauer betrachten möchte.

Abenteuer in Nepal (1996) - Schlangenbeschwörer in Bodnath

Abenteuer in Nepal (1996) – Schlangenbeschwörer in Bodnath

These 1: Ein Abenteuer hängt von der Erfahrung ab

Diese Erfahrung mache ich oft, wenn ich mit Reisebüro-Kollegen unterwegs bin und in der Gruppe auch sehr junge Kollegen oder Azubis sind. Die sind noch schnell für Dinge zu begeistern, bei denen wir alten Hasen oftmals gelangweilt denken „Bitte nicht das schon wieder…“ Oder Kunden kommen zu mir ins Büro, die noch nie geflogen sind. Dann wird selbst ein Badeurlaub auf Mallorca zum großen Abenteuer, eine Reise ins Unbekannte. Nicht, dass man auf Mallorca keine Abenteuer erleben könnte, aber für reiseerfahrenere Urlauber ist ein Flug schon längst Routine, ein Mittel zum Zweck, um dorthin zu kommen, wo das eigentliche Abenteuer beginnen soll. Meine erste Kreuzfahrt dagegen war für mich schon ein klein wenig abenteuerlich.

Queen Mary 2

Queen Mary 2

 

These 2: Ein Abenteuer ist subjektiv

Auf jeden Fall. Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten und die Interessen und Ansprüche eines jeden sind nun mal sehr unterschiedlich. So auch der Sinn für Abenteuer. Ich gehöre da eher zu den gemütlichen Soft Adventure-Typen. Statt halsbrecherischer Rafting Tour unternehme ich lieber eine gemütliche Kanutour oder leichte Wanderungen statt Hard Core Trekking. Ich muss nicht bis zur Erschöpfung an meine Grenzen gehen, um Abenteuerliches zu erleben. Ich finde es viel spannender, wenn ich mir bei meinen Erkundungen Zeit lasse, dabei die Landschaft genieße oder die Sehenswürdigkeiten bewusst erlebe. Dabei ist es auch ganz egal, ob es mich zu exotischen Zielen wie Nepal oder Borneo zieht oder ob ich in Europa – vielleicht sogar in Lüneburg und Umgebung – bleibe. Überall gibt es Neues und Aufregendes zu entdecken, wenn man nur die Augen dafür offen hat. Und die Begegnung mit Menschen aus anderen Kulturkreisen oder auch die Nähe zu wilden Tieren ist immer ein (kleines) Abenteuer.

 

These 3: Ein Abenteuer musst Du Dir verdienen

Ja und nein, je nachdem wie man diese These versteht.
Wenn mit dieser These gemeint ist, man muss einfach mal den Fuß vor die Tür setzen, aufgeschlossen für Neues sein und auch mal etwas ausprobieren, dann ja. Wenn damit aber gemeint ist, man muss an entlegene Orte reisen und sich irgendwie durch die Wildnis schlagen, dann nein. Was ich damit sagen will, ist Folgendes: Wer eine Pauschalreise bucht und dann den ganzen Urlaub über nicht aus dem Hotel geht und am Buffet nur isst, was er von zu Hause kennt, der wird lange vergeblich auf ein Abenteuer warten. Man kann aber dieselbe Reise buchen und dann die Region erkunden. Einfach mal ins nächste Dorf auf den Wochenmarkt fahren und die regionalen Spezialitäten probieren oder sehen, was es in der Gegend an Sehenswürdigkeiten und Naturschönheiten gibt. Meine schönsten Abenteuer geschahen fast alle auf vororganisieren Reisen. Und obwohl ich wusste, wo ich jeden Tag sein würde, hatte ich doch keine Vorstellung davon, was mich da tatsächlich erwarten würde. Manchmal genügt schon ein Tagesausflug, um ein tolles Abenteuer zu erleben wie meine Wander-(Kletter-)Tour durch den Coloured Canyon oder die Wanderung durch eines der kleinsten Naturschutzgebiete Deutschlands.

 

These 4: Ein Abenteuer ist oft überraschend

Dem kann ich nur zustimmen. Ich kann zwar meinen Urlaub planen, aber wem ich unterwegs begegne oder was ich erleben werde, das lässt sich nicht vorherbestimmen. Als wir in Nepal ein buddhistisches Kloster besuchten, wusste nicht einmal unser Guide, dass an dem Tag auch Schlangenbeschwörer dort sein würden. Nicht nur für die Mönche war das ein großes Abenteuer. Denn nicht einmal im Traum hätte ich mir vorstellen können, jemals eine Python um den Hals gelegt zu bekommen (siehe Foto oben). Ein anderes unverhofftes Abenteuer ereignete sich ebenfalls in Nepal auf einem kleinen Berggipfel mit grandiosem Blick auf den Himalaya. Nachdem wir die Aussicht bewundert hatten, saßen wir im Restaurant als plötzlich dicke Wolken aufzogen und uns völlig einhüllten. Wir saßen wie in einen dicken Wattebausch gehüllt. Unser Aufenthalt dort verlängerte sich zwar deutlich, aber da das Essen und der Masala Chai ausgezeichnet waren, ließ es sich gut dort aushalten. Es war ein schöneres Erlebnis als der Blick auf die Berge.

Überall lassen sich solche unverhofften Abenteuer erleben. Sogar vor der eigenen Haustür. Für dieses Jahr habe ich geplant, die Lüneburger Heide zu erkunden, eine Region in der seit meiner Schulzeit nicht mehr war. Ob ich wandern oder radeln werde, weiß ich noch nicht. Aber ich bin mir ganz sicher, das dort das eine oder andere Abenteuer auf mich wartet.

 

Fazit:

Ein Abenteuer stellt sich zwar für jeden anders dar, doch ist für alle ein subjektives oft unerwartetes Erlebnis, das auf der eigenen Erfahrung und der Bereitschaft basiert, einfach mal etwas Neues auszuprobieren und für Fremdes offen zu sein. Wie weit man dabei gehen möchte, bleibt jedem selbst überlassen.

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4 Kommentare zu „Mein Abenteuer ist nicht Dein Abenteuer“

  1. Florian sagt:

    Sehr schönes Fazit, da bleibt mir nur noch mit dem Kopf zu nicken 😉

  2. Christina sagt:

    Danke 😉

  3. Frank sagt:

    Ein sehr schöner Beitrag, liebe Christina,
    ich war gestern gerade wieder mit meiner Tochter in der Lüneburger Heide.
    Es hatte mich wieder ins Pietzmoor verschlagen und in die Tütsberger Heide.
    Sehr zu empfehlen.
    Unser gestriges Abenteuer: Wir durften dem Schäfer vom Hof Tütsberg und seinen Hunden zusehen, wie Sie eine Ihre Heidschnuckenherden umgetrieben haben.
    LG
    Frank

  4. Christina sagt:

    Das klingt toll. Ich durfte das mal in Irland miterleben. War sehr beeindruckend.

    LG
    Christina

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