Die Alte Salzstraße Etappe 1 – Von Lüneburg nach Bardowick

Karl der Große unterwarf hier die Sachsen, Heinrich IV verhandelte hier mit dem Dänenkönig und Kaiser Lothar III hielt hier größere Reichsversammlungen ab. Heute weist nur noch der imposante Dom darauf hin, dass der kleine Marktflecken Bardowick einmal Schauplatz großer Ereignisse und Treffpunkt gekrönter Häupter war.

Dom zu Bardowick

Dom zu Bardowick

 Bereits um 400 soll hier ein bedeutender Handelsplatz an der Ilmenau entstanden sein. Nach der Unterwerfung der Sachsen durch Karl den Großen 795 wurde Bardowick zu einem wichtigen Grenzposten und zur Missionsstation zur Bekehrung der Slawen. Unter der Herrschaft der Billunger Herzöge erhielt es 972 das Stadt- sowie Zoll- und Münzrecht und erreichte im folgenden Jahrhundert seine Blütezeit. Zu dieser Zeit war Bardowick auch eine wichtige Station auf der Alten Salzstraße, da die Ilmenau nur bis hierher schiffbar war und das Lüneburg Salz hier umgeschlagen werden musste. 1106 fiel Bardowick durch Heirat an die Welfen, unter denen es langsam an Bedeutung verlor. Von seiner Zerstörung durch Heinrich den Löwen 1189 hat sich die Stadt nie wieder erholt.

Beginnen wir unsere Reise nach Bardowick am Anfang der Alten Salzstraße: in Lüneburg am Stintmarkt. Dort wurde – seit dem Bau der Bardowicker Schleuse – das Salz auf Schiffe geladen und trat seinen Weg nach Lübeck an. Vom Stintmarkt aus kann man die etwa 6km lange Strecke bis nach Bardowick auf dem alten Treidelpfad entlang der Ilmenau laufen oder radeln. Die Ilmenau hat den Stint noch nicht lange hinter sich gelassen, da ist sie auch schon auf beiden Seiten von hohen Bäumen umgeben und lässt den Wanderer vergessen, dass er noch mitten in der Stadt ist. So schön ruhig und grün ist es hier. Der Weg führt vorbei am Kloster Lüne und schließlich wirklich raus aus der Stadt vorbei an Feldern und der Landwehr bis zur Bardowicker Schleuse.

Von dort führt ein kleines Wäldchen zum Nikolaihof mit seiner kleinen Kirche und der noch vollständig erhaltenen mittelalterlichen Wohnanlage. Mitte des 13.Jh. als Leprahaus der Stadt Lüneburg den Bardowickern direkt vor die Stadtgrenze gesetzt, wurde daraus bereits im 14.Jh. ein Altenheim, in das man sich einkaufen konnte. Noch heute sind die Gebäude des Hofs bewohnt.

Bardowick - Nikolaihof

Bardowick – Nikolaihof

 

Zurück an der Ilmenau führt der Treidelpfad weiter in Richtung Ortsmitte bis zum Gildehaus, dem kleinen reetgedeckten Heimatmuseum. Die kleine Ausstellung vermittelt einen guten Überblick über die Geschichte Bardowicks. Besonders sehenswert ist hier der Münzschatz, der 1912 am rechten Ilmenau-Ufer gefunden wurde, darunter Bardowicker Denare aus der mittelalterlichen Münze sowie Wendenpfennige.

Gildehaus - Heimatmuseum

Gildehaus – Heimatmuseum

 

Das größte Zeugnis für Bardowicks Geschichte aber ist der Dom. Im 9.-10. Jahrhundert wurde über ein Bistum Bardowick nachgedacht und der Bau des Doms begonnen. So nahe an der Grenze zu den unbekehrten Slawen war es den Bischöfen aber wohl nicht ganz geheuer und schließlich entschieden sie sich dafür, im entfernten und sichereren Verden an der Aller zu bleiben. Von diesem ersten Dom, der wahrscheinlich aus Holz erbaut wurde, ist heute nichts mehr erhalten. Der älteste, heute noch erhaltene Gebäudeteil, die romanische Doppelturmfassade mit dem Eingangsportal, stammt aus dem 13.Jahrhundert. Doppelturmfassaden sind ein typisches Element der Romanik. Aber während andere Kirchen ihre Türme hoch gen Himmel aufragen lassen, sind die Bardowicker Türme sehr gedrungen und kaum höher als das Kirchenschiff. Die gesamte Fassade ist sehr wuchtig und erinnert eher an ein wehrhaftes Stadttor als an ein Kirchenportal. Von der ursprünglich spätromanischen Basilika ist heute nichts mehr übrig. Im späten 14. Jahrhundert begannen die Bardowicker mit dem Bau der gotischen Hallenkirche, die heute noch zu sehen ist.

 

Wäre es nach den Lüneburgern gegangen, hätte Bardowick keine Mühle. Denn ein altes Gewerberecht verbot die Ansiedlung von Gewerbe drei Meilen um Lüneburg herum. Entsprechend wurden alle Anträge der Bardowicker im 17. und 18. Jahrhundert, eine Mühle zu errichten, abgelehnt. Erst als die Franzosen unsere Region während Napoleons Russlandfeldzug von 1807-13 besetzten, wurde die Gewerbefreiheit eingeführt und Bardowick konnte 1813 endlich seine lang erwünschte Mühle bauen. Heute ist sie eine von nur noch zehn Windmühlen in ganz Deutschland, in der das Müllergewerbe berufsmäßig ausgeübt wird. Sie kann auch besichtigt werden. Im Mühlenladen werden Naturkost, Futtermittel und Gartenbedarf angeboten.  Im Mühlencafé nebenan kann man den Bardowick-Rundgang gemütlich bei Kaffee und Kuchen ausklingen lassen.

 

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