Coloured Canyon

Als ich im Februar 2001 der Einladung eines renommierten Reiseveranstalters nach Ägypten folgte, war ich zuerst recht enttäuscht als für unseren einzigen Ausflugstag auf dem Sinai nicht das berühmte Katharinen-Kloster auf dem Plan stand sondern der Coloured Canyon. Ich Bergmuffel soll durch einen Canyon kraxeln? Na super. Und was soll an dem so Besonderes sein? Der steht ja nicht mal im Reiseführer…

Aber gut, ich bin mit einer tollen Truppe unterwegs und eine willkommene Abwechslung nach den ganzen Hotelbesichtigungen wird dieser Ausflug schon werden. Also besteigen wir früh morgens gut gelaunt die Jeeps und brechen in Richtung Wüste auf. Auf der Fahrt erfahren wir dann auch, was es mit dem Coloured Canyon auf sich hat. Es ist ein etwa 800 Meter langer Wadi, der tief in den Fels eingeschnitten ist. Seine verschiedenfarbigen Sedimentschichten zeichnen nicht nur schöne Muster an die Felswände sondern auch richtige Bilder. Das klingt ja spannend.

Die Fahrt durch die Wüste ist auch sehr kurzweilig. Die Wüste in dieser Region ist keine eintönige Sandwüste sondern recht gebirgig, sodass wir durch eine sich ständig ändernde Landschaft fahren. Die vereinzelten kleinen Oasen bilden dazu schöne Farbtupfer.

Endlich sind wir am Ziel angelangt, einer Felsklippe mitten in der Wüste. Heute soll hier ein Parkplatz und sogar ein kleiner Kiosk sein, aber 2001 ist hier absolut nichts. Vom Canyon ist von hier oben aus auch noch nichts zu sehen. Erstmal heißt es 150 Meter in die Tiefe kraxeln.

Sinai - Abstieg zum Canyon

Sinai – Abstieg zum Canyon

Der Canyon ist nicht nur tief sondern auch ziemlich eng, stellenweise gerade mal schulterbreit. Für mich mit meinen damals nicht mal 50kg ist das kein Problem, aber die etwas kräftigeren Kollegen gucken doch sehr skeptisch. Aber auch sie passen hindurch und atmen erleichtert auf. Einige hatten tatsächlich befürchtet, zurück gelassen zu werden.

Coloured Canyon

Coloured Canyon

Jetzt sind wir alle gespannt auf die Felsenbilder und es dauert auch nicht lange, da bleibt unser Guide Ahmed stehen und besprüht die Felswand mit Wasser. Was soll das jetzt? Neugierig starren wir alle auf die feuchte Stelle. Wir stehen vor dem ersten Felsenbild. Das Wasser macht es besser sichtbar und bringt die Farben besser zum Ausdruck. Es ist wirklich beeindruckend, was die Natur hier hervorgebracht hat. Wir müssen uns immer wieder vor Augen halten, dass es sich hier nicht um Malereien handelt sondern um zufällige Sedimentablagerungen, die diese sehr lebhaften Bilder hervorgebracht haben.

Voller Begeisterung klettern wir weiter durch den Canyon, nach jeder Biegung in freudiger Erwartung auf das nächste Bild. Selbst ein enges über 2 Meter tiefes Loch durch das wir uns zwängen müssen, schreckt uns jetzt nicht mehr. Gibt es doch noch so viel zu entdecken.

Coloured Canyon

Coloured Canyon

Aber auch die schönste Klettertour geht mal zu Ende. Schon ist der Ausgang des Canyons zu sehen. Dahinter erwartet uns eine nette Überraschung. Bedouinen haben sich hier niedergelassen und bewirten uns gegen einen kleinen Obulus mit gesüßtem Tee. „Nein, das gehört nicht zum Programm“ versichert uns Ahmed. Ob das so stimmt? Aber selbst wenn, Tea Time in der Wüste ist ein wirklich gelungener Abschluss eines unerwartet schönen Ausflugs.

 

 

 

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2 Kommentare zu Coloured Canyon

  1. Hallo, Christina, das ist ja ein wirklich tolles Abenteuer abseits der Touristenpfade! LG Ulrike

  2. Christina sagt:

    Hallo Ulrike,

    heute ist es leider nicht mehr ganz so abseits, aber ich denke, es ist immer noch ein tolles Ausflugsziel.

    LG
    Christina

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